Projekt-Management? Schuschu-wui!

hugo_ball_karawane

Dies ist ein Lautgedicht des Dadaisten Hugo Ball. Er trug es 1916 / 1917 erstmals vor geladenem Publikum vor. Alle haben gelacht und gebrüllt und sich auf die Schenkel geklopft. Es war total irre. Aber das Lachen ist den Meisten inzwischen vergangen. Denn es gilt heute als das Manifest der Anti-Projekt-Management-Bewegung, die immer mehr Anhänger findet.

Ihre bekanntesten Kernthesen lauten:

czschatta wamba butti com!

(Niemals einen Projektplan erstellen!)

sukkutu imma wump? Schuschu!

(Pflichtenheft? Bäh-bäh!)

Kukidenti-dentissi tutti!

(Alle Projektbeteiligten sind zahnlos!)

Schwacha mata, ahoia!

(Dreiviertel der Projektbeteiligten sollten Leichtmatrosen sein!)

o_Q ……hmmm….naja, geht halt manchmal nicht anders.

Denkste.

Zielvorgabe schriftlich festhalten, und es allen Beteiligten aushändigen. Das ist ein feierlicher Augenblick, denn es bedeutet: ‘Wir arbeiten jetzt zusammen!’

Jedem Einzelnen ist die Aufgabe klar. Ein Pflichtenheft beschreibt namentlich die Aufgaben eines jeden Beteiligten. Jeder kennt seine Funktion, jeder weiß um die Funktionen der übrigen Mitwirkenden.

Kleine Arbeitseinheiten bilden, Überschaubarkeit sicherstellen. Interne Kommunikation muss jederzeit gewährleistet sein. Ein fester Meetingfahrplan bestimmt im Voraus, wann und wo und mit wem und warum man sich trifft. Wilde Meetings sind strikt zu vermeiden. Jeder und jede hat zu den vorher festgelegten Terminen zu erscheinen.

Die “Crew”: Analytiker, Diagnostiker, Strategen, STÖRER*, Berater, Interviewer, Change-Manager, Organisator, Sündenbock*, Gruppenleiter.

Projektstrukturplan

Terminplanung

Projektablaufplan

Kapazitätseinsatz

Kostenplan (Teilkostenberechnung, Prozesskostenberechnung)

Gesamtkostenplan (Kalkulation des Gesamtprojekts, Budgetierung)

Qualitätskontrolle (Minimum- / Maximum; Soll und Haben)

Projektsteuerung

*STÖRER

Ist eine oder mehrere Personen, die das Projekt von Anfang bis Ende kommentierend begleiten. Eine Menge Memos und Dossiers zu schreiben, allen Beteiligten auszuhändigen, relevante Echos und Reflexe schriftlich festzuhalten, ggf. einschneidende Maßnahmen zu formulieren und zu begründen. “Störer” sind in jeder Phase ein Muss. Sie haben Einfluss, aber keine Entscheidungsmacht. Sie sind Korrektive und “Rufer in der Wüste”. Sie kritisieren Ideen, ohne eigene einzubringen. Sie nehmen sich Dinge heraus, die sich sonst keiner heraus nimmt. Sie dürfen etwas “falsch” finden und es sogar sagen. Sie sind keine “comedian harmonists”. Ihre Einwände werden bearbeitet, in den meisten Fällen von den Gruppenleitern. Eine breite Eröterungslage ihrer Kritik im Projekt-Team ist zu vermeiden, um kakophonische schwarze Löcher zu verhindern. Am Ende jeden Einwands steht ein “Ja” oder “Nein” der Projektleitung.

*Sündenbock

Beim Militär nennt man diesen Menschen auch “Infanterist/in” oder “Landser/ette”. Es ist ein charakterlich gestählter Mensch, mit echten Nehmerqualitäten. Einstecken hat hier nichts mit ‘Einstecktuch’ zu tun. Diese Position ist etwas für Hartgesottene. Der “Sündenbock” ist Anlaufstelle für allen Frust, das Ventil, durch das alle Luft geht, wenn der Druck raus muss. Psychologe und Zuhörer. Gleichzeitig ist der Sündenbock ein guter Kommunikator. Er weiß das Wesentliche vom Gejammere zu unterscheiden und kommuniziert es an die richtigen Stellen weiter. Er überwacht auch die Kosequenzen, die gezogen werden müssen, um Störungen auszuschalten und alternative Vorgehensweisen zu implementieren. Es gibt wenige Lorbeeren zu ernten, dafür Respekt und stille Anerkennung. Wenn alles geschafft ist, blinzelt man ihm dezent zu, hebt das Glas zum zweiten Mal - auf sein Wohl. Prosit!


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