Abschied vom Werbetext

Textpanzer, 2. Hälfte 15. Jahrhundert

Nix mehr drin.

ALT ………………. Werbetexte reden mit sich selbst.

SHIFT  ……………………………………….. Vom “Werbetext” zur Konversation.

NEU ……….. Text findet wieder zurück zur Sprache.

10. Es muss nichts mehr “beworben” werden. Monologe sind passé.

9. Der Konsument erkennt souveräne Produkte und akzeptiert sie auch ohne Werbung.

8. Borniertheit und Offenheit der Konsumenten werden grundsätzlich unterschätzt.

7.  Texte küssen mit ihren Lesern. Manchmal auch mehr.

6. Das Schlimmste, was man über einen Text sagen kann: ‘Zeitverschwendung’.

5. Ein gelungener Text besitzt in etwa Nobelpreisniveau.

4. Texte besitzen eine Sprache. Sprachlose Texte sind überflüssig.

3. Ein Text ohne “story” ist ein Beipackzettel.

2. Nur noch intelligente Produkte benötigen Werbetexte.

1. Heute, wie in der Antike: Nur 0,2% der Weltbevökerung können schreiben.


Die Zeit der Ritter war abgelaufen, als die ersten Feuerwaffen auftauchten. Ihr Panzer wurde durch die Wucht der Kugeln überwunden. Die Helden des Nahkampfes wurden kampflos aus der Distanz besiegt. All das geschah in kurzer Zeit. Früher (bis etwa 2008 n. Chr.) war ein Werbetext der Markenpanzer. Er schützte Produkte mit sprachlichen Rüstungen oder ritt mit Headlines, Claims und Slogans in die Produkteinführungsschlachten. All das ist in dieser Form bald vorbei.

Social Media ist eine neue Feuerwaffe. Sie verringert Distanzen zwischen Marke und Konsument, zwischen Hersteller und Produkt. Werbetext- und PR-Rüstungen des Printzeitalters werden zunehmend sinnlos. Neue Textwelten entstehen. Sie leben von neuen (An)sprachen, neuen Wortimpulsen und neuen Tonalitäten. Texte werden wieder freier. Das alte Werbetextkorsett sprengt sich selbst. Die neuen digitalen Kanäle bieten viel Raum für eine entspannte Liaison mit dem Kunden.   Konversation bedient sich anderer Begriffe als Proklamation.

Abbildung Rama: Gotischer Plattenharnisch, um 1490.


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Kommentare( 5 )

[...] REMY – Gedankenbegleitservice [...]

REMY – Gedankenbegleitservice | Stefan.Waidele.info schrieb am 30 05 11 um 21:42

[...] die vor wenigen Jahren noch kein Mensch für möglich gehalten hätte. Da waren es noch sogenannte “Werbetexte”, (<Link) die zählten. Doch Marken sind heute gut beraten, diesen industriell-militärischen [...]

REMY - Gedankenbegleitservice schrieb am 20 04 12 um 20:48

Und die Masse ist von der Thematik noch Jahre entfernt. Nach aktueller Zeitrechnung gefällte 600. Was wieder zum Bild passen würde. Leider.

Kai Thrun schrieb am 30 05 11 um 09:14

Es reicht im Prinzip, wenn sich Texter mit der Materie beschäftigen und ihren Kunden anschaulich darstellen, um was es bei Texten heute wirklich geht. In der Masse selbst sind Werbetexte (die diesen Namen verdienen) ohnehin schon so gut wie ausgestorben. Die meisten Printwerbemittel kommen mit immer weniger Text aus. Dabei muss man sich klarmachen, was ‘Text’ ist und was ‘Information’. Onlinemarketing und Social Media im speziellen eröffnen Texten wieder Gestaltungsräume. Dadurch verändern sie ihren Charakter, werden persönlicher und verlieren ihre Abgebrühtheit.

Gruß!

Remy schrieb am 30 05 11 um 12:50

“Heute, wie in der Antike: Nur 0,2% der Weltbevökerung können schreiben”

Stimmt! Schade nur, dass dieses Verhältnis auch auf das Lesen zutrifft. Zu viele Analphabeten erkennen leider den Unterschied zwischen Text und Beipackzettel nicht…

Matthias schrieb am 07 06 11 um 11:57

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