Kommunikationsberatung

Kernwachstum durch Zellverlust

Kommunikationsberater machen sich zur Zeit das Leben schwer. Sie werden verlegen wenn man sie fragt, was sie denn eigentlich machen. Sie beginnen dann mit einer Art Lebensbeichte und oft damit, dass sie etwas nicht gerne gemacht haben und jetzt erst auf den Trichter gekommen sind. Schuld an diesem Rumgeeiere trägt vor allem Social Media. “Es” war für Jahre Fluchtpunkt der Unformatierten, Unentschlossenen und Unaufgeräumten unter den Beratern.

Heute findet man die unwahrscheinlichsten Leute in der Markenberatung. Sie sind durch den Seiteneingang “Social Media” dort hinein geschlüpft, wie ein Hochzeitsfotograf in den Kreißsaal. Erwartet wird aber die Hebamme.

Warum scheut sich ein Berater, seinen Ursprung zu benennen?

Das kann vieles bedeuten. Hier ist meine Deutung: Er ist sich seiner Sache nicht sicher. Tatsächlich nicht sicher, aber auch absichtlich nicht sicher. Doppelt unsicher. Zum einen befürchtet er, dass, wenn seine Kernkompetenz in einem Begriff aufgeht, er für den Job als nicht mehr fachgerecht beurteilt wird. Wenn er absichtlich seine könnerische Herkunft vage hält, tut er es deshalb, um potenzielle Auftraggeber nicht abzuschrecken. Man könnte ja was verpassen.

Es duftet nach Vanille am Nordpol. Komisches Feeling.

Gewabere. Etwas stimmt nicht. Man kann aus diffusen Hintergründen keine Überzeugungskraft generieren. “Auch-Können” bleibt aus Kundensicht die prägende Wahrnehmung. Übersetzt heißt das: Was mein Berater kann, können zig andere Berater auch. Zuviel “Auch”, zu wenig “Nur” (i. S. v. ‘ausschließlich’). Ich empfehle “shrinking”. Auch-Können ist überflüssiges Gewebe mit Wassereinlagerungen. Darauf kann man verzichten. Zum Kern hin schrumpfen.

Vieles wird kleiner wahrgenommen, wenn es klarer wird. So klein, dass das, was darunter liegt, endlich klar zum Vorschein kommt. Diffuse Größe ist ja nicht deshalb so tragisch weil sie zu groß ist. Sie bestürzt, da oft etwas wertvolles darunter liegt und keine Luft mehr bekommt.

Es ist besser, den ursprünglichen Genius weiter auszubilden als ihm durch Diffusitäten Unschärfen zuzufügen. Echte Beratermarken können auf eine genealogische Herkunft verweisen. Sie sind Grafiker, Texter und Konzeptioner. Sie sind auf Wirkung getrimmt, nicht auf Darstellung.

foto: remy


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