Akquise-Upgrade

Akquisebeschleuniger

Versucht man, den -prospektiven- Kunden zu “gewinnen”, redet man mit ihm nicht auf derselben Ebene.

Versucht man aber, dem Kunden die Entscheidung so einfach wie möglich zu machen, kommuniziert man mit ihm auf derselben Ebene. ‘Gewinngespräche’ berücksichtigen in den meisten Fällen die Perspektive des Verkäufers, nicht die des Kunden. Der Kunde merkt das.

Der Kunde will das Komplexe als einfache Entscheidungsgrundlage erleben.

Er möchte sich nach verlässlichen und rationalen Kriterien entscheiden können.

Emotionen? Sie sind ein Knäuel chaotischer Impulse. Er muss entwirrt und geordnet werden.

Das erreicht man, in dem das Komplexe einfach dargestellt wird.

Jetzt sind wir wieder da, wo wir begonnen haben: Bei der Entscheidungsreife.

Emotionen führen zum Produkt. Der Verstand muss den Kauf begründen.

Das kann er am besten, wenn wenn er entscheiden kann. Er will arbeiten.

Kunden gewinnen funktioniert besser, wenn es Entscheidungsgrundlagen gibt.

Man kann es ‘Fullservice’ nennen, ‘Paket’ oder ‘Flatrate’. Wie auch immer. Es gibt viele Synonyme für Entscheidungen.

Entscheidungsfreudige Kunden sind die stärksten Kunden.

Unterbreiten Sie Entscheidungen, nicht nur Angebote.

foto: remy

Bedeutungsreform

Frisierte Wahrnehmungen

Vieles verliert an Macht und Bedeutung, nachdem es beim Mediafrisör war. Überhaupt: die Fixierung auf das tägliche Mediamenü. Diagnose: dringend reformbedürftiges Medienkonsumverhalten. Mediale Fixierungen sind die Einzelhaft der Moderne. Der Canale Grande selbstgewählter Borniertheit. Zum Jahreswechsel: Gedanken über den Begriff ‘Offenheit’. Selbstchecks, Wahrnehmungs-TÜV. Wie weit ist man bereits zum Furnier erstarrt? Reale Hochrechnungen: Nordkorea wird NIE einen Atomkrtieg starten und Iran nie die Straße von Hormuz sperren. Warum steht es da? Einblicke in die Informationsökonomie führender (Online-)Medien tut not. Mit äußerst geringem Aufwand die höchstmögliche Erregung schaffen. Schaumstoffmatratzenhandel.

Konzentrationsverluste sind das Resultat irrelevanter Überschwemmungen. Trennung zwischen Relevanz und Schrott nötiger denn je. Nicht die Medienvielfalt, sondern die wachsende Unfähigkeit, die vorhandenen Kanäle zu kanalisieren, führt zur Ohnmacht. Wo liegen die Prioritäten? Was und wieviel davon braucht man tatsächlich? Dann ist es schon zu spät: “You’ve just entered the Red Zone”. Defizitäre Medienteilhabe bedeutet nicht ein Zuwenig, es bedeutet ein Zuviel. In der Vielfalt verschwindet der Charakter. Lang gedachte Wahrheiten auf den Kopf stellen, heißt auch: Selbstbetrug beenden.

Welchen Gespenstern dient man, in dem man alles bedient? Popanz is waiting for you.

collage: remy

Ein ganz normaler Tag

Im Gegensatz zur wirklich großen Stadt (nicht zu verwechseln mit ‘Großstadt’), bietet das Landleben noch greifbare Abwechslungen. Während sich viele groß-städtischen Individualismen inzwischen nur noch um Geschmacksrichtungen bei Kaffeezusätzen drehen, generiert eine kurze Überlandfahrt in der tiefen Provinz erstaunliche Momente. Oft bringen sie unerwartet letzte Gewissheiten in längst erahnte Wirklichkeiten.

So weiß ich seit heute, dass ich niemals die Stadt Malmö besuchen werde. Meinem latenten Desinteresse an Skandinavien wurde durch die Begegnung mit einem Zaun auf dramatische Weise Affirmation zuteil.

latte brachialo

Ich wünschte wirklich, Designer würden ihren Produkten den eigenen Familiennamen verpassen (müssen). Vermutlich würden wir dann in einer schöneren Welt leben - was die Fußböden in Flughäfen und Einkaufszentren betrifft - auch in einer weniger halsbrecherischen. Es ist gemein, solchen Dingen Städtenamen oder die Namen bedeutender Persönlichkeiten zu verpassen. Wissen die Namensausdenker eigentlich, was sie damit anrichten?

Die nächste Tagesfilmeinspielung ereilte mich auf einer Landstraße mitten im Wald. Zunächst erblickte ich eine Horde junger Männer mit Bierflaschen in der Hand. Dann sah ich ein Rudel Jäger mit geknickten Schrotflinten. Ich kombiniere: Die mit den Bierflaschen sind die Treiber, die anderen schießen zwischen den Bäumen herum. Dass beim Hobeln auch mal Rehe fallen, zeigt dieses Bild.

Jäger und Gejagte

Als Medienmenschen muss uns bewusst sein, dass Jagden auch Opfer fordern. Aber das blenden wir inzwischen erfolgreich aus. Mich wundert das nicht, denn manche Rehe springen nach der Jagd lebendiger und strahlender durch Wald und Auen als je zuvor. Dass dieses Rehlein hier es nicht geschafft, ist offensichtlich. Aber so ganz ohne Trophäen darf der Jäger nicht nach Hause gehen. Auf jede Jagd folgt unerbittlich  der Appetit auf das Erlegte. Einkaufen und Anprobieren heißt das heute.

Zurück zum Ausgangspunkt und Grund meiner Überlandfahrt: Die Anprobe eines Windhundpullovers. Ich kann nicht behaupten, dass es dem Herrn auf dem Foto unten leichtfiel, seinen Enthusiasmus für das neue Bekleidungsstück offen auszudrücken. Schließlich kennen Tiere den Egoismus ihrer Besitzer besser als jeder andere. Also wird es mehr ertragen als getragen - in der berechtigten Hoffnung, dass ich in nicht allzu entfernter Zukunft das Wesen des Hundes auch ohne Strickmuster wieder neu entdecken werde.

Vorzeigeunwilligkeit

Jahresendstimmung mit Blockstreifen

Whippet an Rosen-Rondo

Alles in Allem hat es ein Markenhund besser. Die ständige Versuchung, Marken upzugraden, um etwa den Markencharakter zu unterstreichen, birgt natürlich auch Gefahren. Man sollte unter dem Upgrade stets den Markenkern erkennen können. Richtige Marken sind so gestrickt, dass sie notfalls auch nackt bestens ausgestattet sind.

fotos: remy



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